Auf der Entwicklerkonferenz I/O hat Google gestern zwei neue Messenger-Apps vorgestellt. Allo ist eine Chat-App wie WhatsApp oder Signal. Zwar ermöglicht die App Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kommunikation, allerdings erst nach vorheriger Aktivierung des Inkognito-Modus. Damit will der Konzern den Nutzern offenbar selbst die Entscheidung überlassen, ob ihnen Privatsphäre oder Bequemlichkeit wichtiger ist. Denn was den neuen Messenger von der Konkurrenz unterscheidet, ist der Chatbot, der auf Googles gewaltiger KI-Infrastruktur basiert. Durch die Analyse der Chats auf den Servern des Unternehmens sollen passende Antworten vorgeschlagen, die Texteingabe ergänzt oder Bilder erkannt werden. Das ist freilich nur bei unverschlüsselter Kommunikation möglich.
Die zweite vorgestellte App ‚Duo’ ist vergleichbar mit Skype. Die Videochat-App ist standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Google greift für beide Apps auf das etablierte Open-Source-Protokoll von Open Whisper Systems zurück, welches auch bei Signal und WhatsApp verwendet wird.
Warum Google erst so spät und dann auch noch halbherzig in den Club den Krypto-Messenger drängt, ist unklar. Der Konzern lege sich als letztes großes US-amerikanisches IT-Unternehmen nun auch mit dem FBI an, deutete The Guardian die Ankündigung. Andere werten die optionale Verschlüsselung als Zugeständnis an US-Strafverfolger, wie Die ZEIT berichtet.
Christopher Soghoian, Sicherheitsexperte bei der ACLU, sieht Googles Vorgehen als Kompromiss zwischen der Rechts- und der Geschäftsabteilung des Konzerns.
https://twitter.com/csoghoian/status/733001555557781504
Edward Snowden hingegen warnte vor der Nutzung und sieht die inkonsequente Verschlüsselung kritisch.
